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Thema: Schöne deutsche Gedichte

  1. #81
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    An die Nachgeborenen

    Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
    Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
    Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
    Hat die furchtbare Nachricht
    Nur noch nicht empfangen.
    Was sind das für Zeiten, wo
    Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
    Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschliesst!
    Der dort ruhig über die Strasse geht
    Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde.
    Die in Not sind?
    Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder
    wechselnd.
    Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
    Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.
    Dabei wissen wir doch:
    Auch der Hass gegen die Niedrigkeit
    Verzerrt die Züge.
    Auch der Zorn über das Unrecht
    Macht die Stimme heiser. Ach, wir
    Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
    Konnten selber nicht freundlich sein.
    Ihr aber, wenn es so weit sein wird
    Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
    Gedenkt unsrer
    Mit Nachsicht.

    [Bertold Brecht]

  2. #82
    Mitglied
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Zitat Zitat von Ansuz Beitrag anzeigen
    Baltensang (1905) - Gustav von Hirschheydt


    Wir sehen haßerfüllte Mienen
    und sind bedroht von Mörderhand.
    Die Stätten werden zu Ruinen,
    wo unsrer Väter Wiege stand.

    Wir werden Fremdlinge gescholten,
    es höhnt uns jeder feile Knecht,
    Mit Mord und Brand wird uns vergolten
    der Sinn für Ordnung und für Recht.

    Nicht eine Spur soll übrigbleiben
    von allem, was wir treu gehegt.
    Man will uns von der Scholle treiben,
    der wir die Züge aufgeprägt.
    Wir aber wollen es beweisen,
    der Väter echtes, deutsches Blut;
    Wir sind noch nicht das alte Eisen,
    das nur noch zum Verrosten gut.

    Was aus Jahrhunderten geboren,
    das fällt noch nicht auf einen Hieb.
    Gewiß, wir haben viel verloren,
    und doch — wir wissen, was uns blieb!

    Es ist die Kraft, sich aufzuraffen,
    von alters unser Ehrenschild;
    sie wird auch heute nicht erschlaffen,
    wo es das Sein der Heimat gilt.

    Schon oftmals zogen schwer geladen
    die Wetter über unser Haupt,
    doch konnten sie uns dauernd schaden,
    solange wir an uns geglaubt?
    Wer Reval-Zigaretten rauchte, machte gute PR für Tallinn.
    Pommes frites-Belgisches Weltkulturerbe

  3. #83
    Mitglied Benutzerbild von Kaktus
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Zitat Zitat von Sjard Beitrag anzeigen
    Sehr schönes Gedicht. Grün geht leider gerade nicht.
    Von mir auch grün, geht auch gerade nicht
    Alle Mitteilungen in diesem Forum sind als reine private Meinungsäußerung zu sehen und keinesfalls als Tatsachenbehauptung. Hier gilt Artikel 5 GG und besonders Absatz 3 (Kunstfreiheit-Satire) Dieser Beitrag ist eine persönliche Meinung gem. Art.5 Abs.1 GG und Urteil des BVG 1 BvR 1384/16

  4. #84
    Sprecher der Verderbten Benutzerbild von Fortuna
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Zitat Zitat von Nathan Beitrag anzeigen
    An die Nachgeborenen

    Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
    Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
    Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
    Hat die furchtbare Nachricht
    Nur noch nicht empfangen.
    Was sind das für Zeiten, wo
    Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
    Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschliesst!
    Der dort ruhig über die Strasse geht
    Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde.
    Die in Not sind?
    Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder
    wechselnd.
    Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
    Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.
    Dabei wissen wir doch:
    Auch der Hass gegen die Niedrigkeit
    Verzerrt die Züge.
    Auch der Zorn über das Unrecht
    Macht die Stimme heiser.
    Ach, wir
    Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
    Konnten selber nicht freundlich sein.
    Ihr aber, wenn es so weit sein wird
    Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
    Gedenkt unsrer
    Mit Nachsicht.

    [Bertold Brecht]

    Das habe ich lange Zeit als Entschuldigung für das was mir schon früh an den Guten übel aufstieß gelten lassen.

    Dann habe ich erkannt, es ist nicht "der Haß gegen die Niedrigkeit", der viele dieser Leute niedrig erscheinen und niedrig handeln läßt. Die sind einfach nur niedrig.

    Heute habe ich "null Glauben" an die Anständigkeit der Guten und null Vertrauen zu denen mehr. Egal was jetzt noch geschieht. Ich werde immer "rechts" denken, handeln und wählen.
    Mein Europa ist nicht eure EUdSSR
    Null Loyalität für Buntland
    - Mein Land heißt Deutschland -
    Mein Feind heißt brd - je suis Naht-Zieh
    Die Einzigen, die anständig zu mir waren als es mir schlecht ging waren die Rechten

  5. #85
    Mitglied Benutzerbild von Kaktus
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Zitat Zitat von FranzKonz Beitrag anzeigen
    Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte
    der Feuerzunder still gehäuft,
    das Volk, zerreißend seine Kette,
    zur Eigenhilfe schrecklich greift!
    Da zerret an der Glocke Strängen
    der Aufruhr, daß sie heulend schallt,
    und, nur geweiht zu Friedensklängen,
    die Losung anstimmt zur Gewalt.
    "Freiheit und Gleichheit!" hört man schallen;
    der ruh'ge Bürger greift zur Wehr,
    die Straßen füllen sich, die Hallen,
    und Würgerbanden ziehn umher.
    Da werden Weiber zu Hyänen
    und treiben mit Entsetzen Scherz;
    noch zuckend, mit des Panthers Zähnen
    zerreißen sie des Feindes Herz.
    Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
    sich alle Bande frommer Scheu;
    der Gute räumt den Platz dem Bösen,
    und alle Laster walten frei.
    Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,
    verderblich ist des Tigers Zahn;
    jedoch der schrecklichste der Schrecken,
    das ist der Mensch in seinem Wahn.
    Man sollte öfter mal in alten Gedichten stöbern, so wie in diesem Fall in Schillers "Die Glocke"
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  6. #86
    Mitglied Benutzerbild von Kaktus
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Zitat Zitat von Ansuz Beitrag anzeigen
    Mondnacht
    Es war, als hätt’ der Himmel
    Die Erde still geküßt,
    Daß sie im Blütenschimmer
    Von ihm nun träumen müßt'.

    Die Luft ging durch die Felder,
    Die Ähren wogten sacht,
    Es rauschten leis’ die Wälder,
    So sternklar war die Nacht.

    Und meine Seele spannte
    Weit ihre Flügel aus,
    Flog durch die stillen Lande,
    Als flöge sie nach Haus.

    (von Joseph von Eichendorff, einer von wenigen Dichtern, deren unausgereiftes Jugendwerk ich gleichsam schätze )
    Diese letzte Strophe steht auf dem Grabstein meines Lebenspartners - R.I.P.
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  7. #87
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Zitat Zitat von Nathan Beitrag anzeigen
    An die Nachgeborenen

    Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
    Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
    Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
    Hat die furchtbare Nachricht
    Nur noch nicht empfangen.
    Was sind das für Zeiten, wo
    Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
    Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschliesst!
    Der dort ruhig über die Strasse geht
    Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde.
    Die in Not sind?
    Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder
    wechselnd.
    Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
    Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.
    Dabei wissen wir doch:
    Auch der Hass gegen die Niedrigkeit
    Verzerrt die Züge.
    Auch der Zorn über das Unrecht
    Macht die Stimme heiser. Ach, wir
    Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
    Konnten selber nicht freundlich sein.
    Ihr aber, wenn es so weit sein wird
    Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
    Gedenkt unsrer
    Mit Nachsicht.

    [Bertold Brecht]
    Die AfD hat schon mit dem Spruch:"Strauß würde heute AfD wählen" plakatiert.Ließe sich Brecht auch auf einem AfD-Plakat verwenden?
    Pommes frites-Belgisches Weltkulturerbe

  8. #88
    Mitglied Benutzerbild von Kaktus
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    1. Wildgänse rauschen durch die Nacht
    2. Mit schrillem Schrei nach Norden –
      Unstete Fahrt! Habt acht, habt acht!
      Die Welt ist voller Morden.
    3. Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt,
      Graureisige Geschwader!
      Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt,
      Weit wallt und wogt der Hader.
    4. Rausch’ zu, fahr’ zu, du graues Heer!
      Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!
      Fahrt ihr nach Süden übers Meer –
      Was ist aus uns geworden!
    5. Wir sind wie ihr ein graues Heer
      Und fahr’n in Kaisers Namen,
      Und fahr’n wir ohne Wiederkehr,
      Rauscht uns im Herbst ein Amen!

    Von Walter Flex, ca. 1916
    Alle Mitteilungen in diesem Forum sind als reine private Meinungsäußerung zu sehen und keinesfalls als Tatsachenbehauptung. Hier gilt Artikel 5 GG und besonders Absatz 3 (Kunstfreiheit-Satire) Dieser Beitrag ist eine persönliche Meinung gem. Art.5 Abs.1 GG und Urteil des BVG 1 BvR 1384/16

  9. #89
    Mitglied Benutzerbild von Daggu
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    An meinen Lehrer:

    "Ich war nicht einer deiner guten Jungen.
    An meinem Jugendtrotz ist mancher Rat
    Und manches wohlgedachte Wort zersprungen.
    Nun sieht der Mann, was einst der Knabe tat.

    Doch hast du, alter Meister, nicht vergebens
    An meinem Bau geformt und dich gemüht.
    Du hast die besten Werte meines Lebens
    Mit heißen Worten mir ins Herz geglüht.

    Verzeih, wenn ich das Alte nicht bereue.
    Ich will mich heute wie einst vor dir nicht bücken.
    Doch möcht ich dir für deine Lehrertreue
    Nur einmal dankbar, stumm die Hände drücken."
    (Ringelnatz)

  10. #90
    Mitglied Benutzerbild von Daggu
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    Standard AW: Schöne deutsche Gedichte

    Zitat Zitat von Kaktus Beitrag anzeigen
    1. Wildgänse rauschen durch die Nacht
    2. Mit schrillem Schrei nach Norden –
      Unstete Fahrt! Habt acht, habt acht!
      Die Welt ist voller Morden.
    3. Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt,
      Graureisige Geschwader!
      Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt,
      Weit wallt und wogt der Hader.
    4. Rausch’ zu, fahr’ zu, du graues Heer!
      Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!
      Fahrt ihr nach Süden übers Meer –
      Was ist aus uns geworden!
    5. Wir sind wie ihr ein graues Heer
      Und fahr’n in Kaisers Namen,
      Und fahr’n wir ohne Wiederkehr,
      Rauscht uns im Herbst ein Amen!

    Von Walter Flex, ca. 1916
    Warm hast du den "Panther" gelöscht? Ich mag Rilke nicht, aber trotzdem ist das eines der schönsten Gedichte in deutscher Sprache, für mich jendenfalls.

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