Zitat Zitat von Nereus Beitrag anzeigen
Umgekehrt: Skousen benutze Quigley als Quelle für seine umstrittene Ausdeutung im Sinne einer Neue-Weltordnung-Verschwörungstheorie *).

»1970 veröffentlichte Skousen unter dem Titel The Naked Capitalist im Selbstverlag eine 144 Seiten lange Rezension von Carroll Quigleys Tragedy and Hope (1966). Skousens Rezension deutete Quigleys Buch im Sinne einer Neue-Weltordnung-Verschwörungstheorie; hierin unterstellte Skousen ein konspiratives Zusammengehen von Familien von Superreichen mit linken Revolutionären und internationalistisch gesinnten Liberalen zur Errichtung eines globalen Kollektivismus.
[…]
Skousen wurde vorgeworfen, Quigley Dinge angedichtet zu haben, die in dessen Buch nicht auffindbar seien und zugleich ignoriert zu haben, dass das Buch sich gerade gegen ultrarechte Verschwörungstheoretiker vom Schlage Skousens wende.«

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*) Neue Weltordnung (Verschwörungstheorie):

»Als Neue Weltordnung (engl.: New World Order) wird in verschiedenen Verschwörungstheorien das angebliche Ziel von Eliten und Geheimgesellschaften bezeichnet, eine autoritäre, supranationale Weltregierung zu errichten. Solche Theorien wurden zu Beginn der 1990er Jahre in den Vereinigten Staaten populär. Verbreitet werden sie vor allem von christlich-fundamentalistischen, rechtsextremen und esoterischen Autoren. Ob die Verwendung des Begriffs in der globalisierungskritischen Linken ebenfalls als verschwörungstheoretisch einzustufen ist, ist umstritten.«

Weiter hier:
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»So sind die Verbindungen samt finanziellen Unterstützungsmaßnahmen der Rothschilds und der Rockefellers für Lenin und Trotzky seit langem bekannt.« - Zum Teil falsch: Lenin wurde nicht von Rothschild und Rockefeller finanziert, sondern der hat im Gegenteil deren Ölfelder im Kaukasus enteignet und verstaatlicht!

Eine Finanzierung durch internationale Bankiers der Hochfinanz zum Sturz der Zarenmacht gab es schon seit ca. 1870:

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1905 hatten New Yorker Bankiers, wie [Links nur für registrierte Nutzer] von der Wall-Street-Bank Kuhn, Loeb, Schiff & Co. (Warburg, Kahn), den japanischen Krieg gegen Russland finanziert. Die Hochfinanzagenten Trotzki, Leo Deutsch und Parvus-Helphand betrieben revolutionäre Propaganda, um den Sturz der Zarenmacht vorzubereiten zur Ersetzung durch eine parlamentarische Parteiendemokratie.

1905 [Bilder nur für registrierte Nutzer]

Nach dem Frühjahrsputsch 1917 in Russland mit Hilfe des britischen Botschafters Buchanan, der britischen Militärmission mit Sir Samuel Hoare (MI6) und einer Petersburger Adelsloge, wurde der friedensbereite Zar abgesetzt und eine provisorische Regierung installiert, welche den Krieg weiter gegen das Deutsche Reich fortsetzen sollte. Dazu wurde von dieser eine „Freiheitsanleihe“ aufgelegt, die sofort von der internationalen Finanz gezeichnet wurde.
(näheres bei Solschenizyn »Zweihundert Jahre zusammen« Bd. 2 S. 44 und bei Allen »Die Insider« S. 95-96.)

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Um diese Angriffsgefahr an der Ostfront zu beseitigen, ließ General Ludendorff einen Gegenputsch mit russischen radikalen Sozialdemokraten (Bolschewiki) unter Lenin inszenieren, diese aus ihrem Exil in der Schweiz nach Russland schafften und für deren „Friedenspropaganda“ und „Oktoberrevolution“ 6 Millionen Goldmark zur Verfügung stellen. Als Gegenmine gegen die Ludendorff-Strategie und um ihre für Kerenski getätigten Investitionen nicht zu verlieren, schickten die New Yorker Bankiers ihren Agenten Trotzki los, um das Lenin-Team entristisch zu unterwandern und durch Kamenew zu sabotieren, der durch ein Flugblatt dann den „Revolutionsbeginn“ dem Kerenski verriet. Lenin erkannte die Gefahr, versteckte sich vor Kerenskis Häschern und verlegte den Revolutionstermin ein paar Tage vor. Nach getaner Arbeit, bot Joffe sofort den gekauften Waffenstillstand an. Später sabotierte Trotzki durch Verschleppung die Friedensverhandlungen in Brest Litowsk, so daß noch vor Auflösung der Ostfront und vor Verlegung der Deutschen Osttruppen an die Westfront zu deren Verstärkung, die Amerikaner auf dem westlichen Kriegsschauplatz kriegsentscheidend erscheinen konnten.

So rum geht die Geschichte richtig.
Das war aber nicht deine Frage, die da lautete:

Und was bewog 1966 Professor Quigley dazu, über die US-Machteliten zu forschen und zu schreiben?
Um also beurteiilen zu können, wer wen inspirierte zu den jeweiligen Büchern, sollte man zunächt herausfinden, wann sich die beiden - Quigley und Scousen - kennengelernt hatten. Es ist wenig wahrscheinlich, dass Scoussen von Quigley irgendwelche besonderen Informationen über die "Macht im Hintergrund" erfahren hat, wenn Scousen selbst an der Quelle saß (FBI, CIA usw) und sich ein viel beseres Bild machen konnte. Dass er sich 1970 auf Quigley's Buch von 1966 bezieht, liegt ja auch nahe, wenn er meinte, zum Thema etwas zu sagen zu haben. So ist das eben mit den "gelarten" Herren. Heute noch.

Und zu Rockeller/Riothschiild bzw Lenin/Trotzki muss man sagen, dass auch hier, wie üblich bei "Verschwörern", man sich nicht wundert, wenn man weiß, dass fast IMMER mehrgleisig, mindestens aber 2-gleisig, gefahren wird, um zum Ziel zu kommen. Man legt halt nicht alle Eier in einen Korb. Wer schlau ist, belegt ALLE vorhandenen Körbe gleichzeitig. Die alte "Padua-Diplomatenschule". Die DEMOKRATIE ist für so was übrigens besonders geeignet.