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Thema: Raumschiff Genderpreis II

  1. #1
    Eine Schand für 'schland Benutzerbild von Sathington Willoughby
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    Standard Raumschiff Genderpreis II

    So, nach einer längeren Pause habe ich mich wieder drangesetzt, um den zweiten Teil des Erfolgsromans "Raumschiff Genderpreis" zu schreiben. Ich hoffe, bis Sommer damit fertig zu werden.
    Dieses - noch - unveröffentlichte Werk ist noch nicht ganz fertig, ich werde trotzdem in diesem Strang die Ehre haben, und ein paar Auszüge einstellen - wenn mich die Motöration lässt.

    Die Handlung, kurz umrissen:
    Die Genderpreis soll den neugewählten Präsidenten der Föderation von einem Kurzbesuch auf Schlaraffia zur Präsentation des Phasen-Molekularumwandlers, mit dessen Hilfe man durch die 4te Dimension in die Parallelwelt reisen kann, abholen. Vor der Präsentation aber wird der Präsident verraten und mit Roderich, dem Käppn und Helden des Buches, in eben diese Welt verschlagen, wo sie Zeuge von Ragnarök, der Weltmeisterschaft der Götter werden. Nach einem Besuch im Paradies kehren sie wieder zurück, der Umwandler wird vom Kampfplaneten der Dunklen Seite zerstört. Anschließend fliegen sie nach Terra III, um hinter das Geheimnis von IHNEN zu kommen, die die gesamte Galaxis mit unsinnigen Vorschriften geißeln. Dort stoßen sie auch auf SIE und lüften das Geheimnis der großen Verschwörung...

  2. #2
    Eine Schand für 'schland Benutzerbild von Sathington Willoughby
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Die Kapitel

    1 - Der Präsident hat einen Vogel
    2 - Sonderbares Schlaraffia
    3 - Ab in die Parallelwelt!
    4 - Die Weltmeisterschaft der Götter
    5 - Paranoia im Paradies
    6 - Darf man SIE auch duzen?


    Die Kopfschmerzen waren nicht von schlechten Eltern. Ausdauernd, pochend, hämmernd, fast jede bekannte Form des Schmerzes, durch alle Schattierungen und Stärken sandten sie ihre Botschaft aus, und das nicht nur an einer Stelle, sondern von der Stirn bis zum Nacken, ohne Ausnahme. Kopfschmerzen für Kenner, für Liebhaber. Und verdient waren sie noch obendrein.
    Aber Lotvik ertrug sie gerne, denn er war am Ziel, er hatte den ersten Teil seiner Bestimmung erreicht. Nun war er Präsident der Föderation, hatte seine Hände, die noch ein wenig zittrig waren, an den Schalthebeln der Galaxis, er war jetzt die Nummer eins, so dachte jedenfalls der größte Teil der weniger intelligenten Wesen der intelligenten Wesen. Doch in Wahrheit brachte ihm das erstmal nicht viel, außer einer schönen, purpurfarbenen Robe mit erlesenen Stickereien sowie einem Büro, Computer und diversen anderen Arbeitsutensilien.
    Er konnte nicht viel mehr als die grobe Richtung vorgeben und repräsentieren, der wirklichen Macht ein Gesicht geben und umsonst mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Zwar nicht mit großer Macht und Befugnissen ausgestattet, war er aber überall dabei und konnte hinter die Kulissen schauen.
    Und darauf kam es ihm an. Das war der Grund, aus dem er überhaupt seine beschauliche Existenz als mittlerer Angestellter bei der Föderation aufgegeben hatte. Aber das durfte – noch – niemand erfahren.
    Langsam öffnete er die Augen. Überall waren verstreute Klamotten, leere Flaschen, schmutzige Teller sowie Überreste von den Gerichten, die auf diesen Tellern serviert wurden, drapiert. Zwei, drei Schnapsleichen und ein paar spärlich bekleidete Mädchen lagen dazwischen. Es würde ein paar Stunden dauern, den Saustall wieder auf Vordermann zu bringen. Aber halb so wild, denn zum Glück hatte er ja neuerdings einen Vogel.

    Dieser wurde ihm am Tag seines Amtsantritts von der Föderation zur Seite gestellt, als ‚SekretärIn respektive persönlicheR MitarbeiterIn‘ deklariert, was jetzt auch schon geschlagene zwei Wochen her war. Lotvik wollte ihn nicht haben, wurde aber durch die Blume belehrt, dass er ohne diesen kaum damit rechnen dürfe, längere Zeit im Amt zu verweilen.
    Das war nicht ungewöhnlich, waren es doch die Assistenten und Sekretäre, die den Laden im Ministerium für Gleichstellung und Unterschiedlichkeit (MGU) und in der Föderation der zivilisierten Planeten der Milchstraße (FZPM) am Laufen hielten, die die Drecksarbeit machten und sich Kompetenz aneignen mussten, während die Minister, Präsidenten und Kanzler nur grob die Richtung vorgaben und sich lieber den ihrer Ansicht nach wichtigeren Dingen des Lebens widmeten wie der Eröffnung von Fabriken und Einkaufszentren, Teilnahme an Festbanketten oder dem Feiern von Geburtstagen anderer Staatsoberhäupter und Organisationschefs.

  3. #3
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Zitat Zitat von Zaphod Beeblebrox Beitrag anzeigen
    So, nach einer längeren Pause habe ich mich wieder drangesetzt, um den zweiten Teil des Erfolgsromans "Raumschiff Genderpreis" zu schreiben. Ich hoffe, bis Sommer damit fertig zu werden.
    Dieses - noch - unveröffentlichte Werk ist noch nicht ganz fertig, ich werde trotzdem in diesem Strang die Ehre haben, und ein paar Auszüge einstellen - wenn mich die Motöration lässt.

    Die Handlung, kurz umrissen:
    Die Genderpreis soll den neugewählten Präsidenten der Föderation von einem Kurzbesuch auf Schlaraffia zur Präsentation des Phasen-Molekularumwandlers, mit dessen Hilfe man durch die 4te Dimension in die Parallelwelt reisen kann, abholen. Vor der Präsentation aber wird der Präsident verraten und mit Roderich, dem Käppn und Helden des Buches, in eben diese Welt verschlagen, wo sie Zeuge von Ragnarök, der Weltmeisterschaft der Götter werden. Nach einem Besuch im Paradies kehren sie wieder zurück, der Umwandler wird vom Kampfplaneten der Dunklen Seite zerstört. Anschließend fliegen sie nach Terra III, um hinter das Geheimnis von IHNEN zu kommen, die die gesamte Galaxis mit unsinnigen Vorschriften geißeln. Dort stoßen sie auch auf SIE und lüften das Geheimnis der großen Verschwörung...




    Wenn,

    dann hätte ich es "Alptraumschiff Genderscheiß!" genannt.

  4. #4
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Das gefiedertes Wesen kam hereingetrippelt und hielt die übliche Standpauke: „Mei, Herr Ankradenk, immer dasselbe mit Ihnen, feiern, bis die Fliegen fetzen und die anderen dürfen dann den Trümmerhaufen beseitigen. Ich dachte, dass sich das ändert, jetzt, wo Sie die ersten Tage im Amt so einigermaßen überstanden haben, ich sehe mich aber getäuscht. Schade...Zudem ist mein Name nicht ‚Hansi‘, sondern Predo Tschillpie!“ und ein Blick, der vernichtend wirken sollte, aber nur zur Erheiterung des Angesprochenen diente, traf den eben aus dem Bett gestiegenen obersten Scheffe.
    Predo plusterte vor gespielter Enttäuschung sein gelblich-grün durchsetztes Gefieder auf, denn er war ein eitler Vogel und besonders stolz auf sein makelloses Federkleid. Dieses hatte zwar kaum noch einen praktischen Nutzen, diente aber umso mehr zum Repräsentieren, zum Unterstreichen der eigenen Persönlichkeit und wurde daher täglich mindestens eine halbe Stunde lang gepflegt.
    Er war fast so groß wie sein Vorgesetzter, aber deutlich leichter gebaut und trug den feinen, aber dezenten Anzug, der einen hochrangigen Assistenten der Föderation kleidet, wie eine zweite Haut beziehungsweise ein zweites Federkleid. Als Orneer zog er es vor, barfuß zu gehen, was jedesmal die Hausmeister der Behörden, bei denen er das Parkett mit seinen scharfen Krallen zerkratzte, zur Weißglut trieb.
    Als Schwarmbester seines Jahrganges stand ihm eine Karriere bei der Föderation offen, eine Gelegenheit, die er nur zu gerne beim Schopf packte, denn er wollte neue Welten, andere Wesen und Kulturen kennenlernen, mal rauskommen aus dem heimischen Nest, weg von Orneon. Nach seiner Ausbildung, die er selbstredend als Bester abgeschlossen hatte, freute er sich auf seinen ersten Auftrag, den er für die Föderation erledigen sollte. Einerseits war es sehr ehrenvoll, als Neuling gleich zur rechten Hand des Präsidenten zu werden, ein paar Tage im Amt hatten ihm aber gezeigt, dass der Job wohl von altbewährten Mitarbeitern strikt abgelehnt worden wäre oder wurde, was ihn aber nicht in seiner Motivation bremste.
    Zudem muss erwähnt werden, dass er ein flugunfähiger Orneer war, denn auf Orneon 4a gab es mehrere Vogelarten, die Intelligenz entwickelt hatten. Die mit Abstand Klügsten waren die Laufvögel, zu denen Predo gehörte. Diese machten sich über die kleineren, aber flugfähigen Vögel lustig, welche sich wiederum einen Spaß daraus machten, ihre großen Verwandten wegen ihrer Flugunfähigkeit aufzuziehen und ihnen bei jeder Gelegenheit aus vollem Flug kräftig auf den Kopf zu kacken.
    Und wer aufmerksam mitgelesen hat, wird sich über die seltsame Bezeichnung wundern: Orneon 4a. Das seltsame ‚a‘ lässt sich einfach erklären. Der Planet befindet sich auf einer stark elliptischen Bahn um seine Sonne und tauscht, ähnlich wie Neptun und Pluto, einmal jährlich den sonnennäheren Platz mit seinem Bruderplaneten Orneon 4b. Dieser dient vielen Orneern, bei denen das Zugvogelgen noch aktiv ist, als Nistkolonie.
    Gerade jetzt, wo er sich seit ein paar Tagen in der Mauser befand, hatte er starke Stimmungsschwankungen, die zu ertragen nicht immer einfach war, zumal die Vogelwesen vom Planeten Orneon 4a für Erdlinge auch ziemlich nervtötend sein können, wenn sie in normaler Laune sind. Rechthaberisch, arrogant und kleinlich sind Adjektive, welche die meisten Angehörigen dieser Spezies treffend beschreiben und daher waren größere Konflikte mit Lotvik, der es doch lieber sehr lässig und ungenau angehen ließ, vorprogrammiert.
    ....

  5. #5
    vorvorgestrig Benutzerbild von -jmw-
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Kopfschmerzen für Kenner, für Liebhaber.


    Find ich gut!
    Losung für die 7. Kalenderwoche: (folgt)

  6. #6
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    -„Hier Käppn Vingar von der Genderpreis, was liegt an?“
    Es war wieder die Legende Admiral Krothenfels, die sich zu Wort meldete. „Person Käppn, ich habe vernommen, dass Sie morgen wieder ins Geschehen eingreifen können. Wir haben da eine kleine Mission, einen wichtigen und geheimen Auftrag, den nur ein zuverlässiges Schiff mit einem vertrauenswürdigen Käppn und gefülltem Tank übernehmen kann. Wie Sie wissen, wurde ein neuer Präsident gewählt. Eigentlich ein Grund zur Freude, doch leider hat die Wahl dieser Person auf manchen Welten für Emotionen gesorgt. Es gehen Gerüchte um, denen Zufolge ein Anschlag auf ihn geplant ist. Dennoch müssen die Geschäfte weitergehen. Herr Ankradenk befindet sich im Anflug auf Schlaraffia IV, um dort die Wogen zu glätten. Sie müssten ihn dort abholen und sicher zur Präsentation von so einem Phasendingsda geleiten.“
    -„Aye, Sir, wir werden noch einen Probelauf absolvieren und können morgen aufbrechen.“
    Roderich machte sich zurück zur Brücke, um genauere Instruktionen per Mail zu empfangen, während Geweron die Konsole wegpackte und ein wenig Musik auflegte. Das konnte er nur, wenn er alleine war, denn Bregander wie er haben einen sehr speziellen Kunstgeschmack.

    Musik beispielsweise ist für diese Spezies rythmisch und wohlklingend, wenn der Rythmus nicht gleichmäßig läuft, sondern nur, wenn das Tempo ständig oszilliert, was von den meisten anderen Wesen als unerträgliche Katzenmusik empfunden wird. Das ist auch der Grund, warum es kaum Ehen zwischen Bregandern und Erdlingen gibt – sie frequentieren verschiedene Discos.
    Das Bregandersystem ist auch das einzige, in dem es sowohl für Politiker verboten ist, Musik zu machen als auch für Musiker, sich in die Politik einzumischen. Man hat da so seine Erfahrungen gemacht.
    Die eine Erfahrung waren Politiker eines Untersuchungsauschusses, der eigentlich die aktuelle Problematik beim Berechnen der Einkommenssteuer unterer Klassen durch die neue FX-1-Klassifizierung untersuchen sollte. Diese Arbeit war schrecklich langeweilig und unwichtig und alle wussten, dass der Abschlussbericht zwar zweihundertfach ausgedruckt und zur Vorlage an die restlichen Parlamentarier versandt, aber tatsächlich von niemandem gelesen werden würde. Diese Aussicht hatte ein paar Hinterbänkler frustriert und so hatten sie in einer Pause Überlegungen angestellt, wie man doch die Zeit und Arbeit nicht völlig vertrödeln lassen könnte.
    Einer dieser Hinterbänkler hatte einen Schwager in der Plattenindustrie, und so schlug er vor, doch einfach eine Platte mit dem Bericht aufzunehmen. Öde Texte waren auf Bregander der Renner.
    Die anderen Mitglieder des Untersuchungsausschusses für die aktuelle Problematik beim Berechnen der Einkommenssteuer unterer Klassen durch die neue FX-1-Klassifizierung waren begeistert. Die Musik war schnell zusammengeschrieben (wichtig ist halt nur der unregelmäßige Rythmus) und als Text wollte man den ersten Teil des Berichtes verwenden, für einen Hit war das gerade die richtige Länge.
    Als Künstlername fiel den Mitgliedern des Untersuchungsausschusses für die aktuelle Problematik beim Berechnen der Einkommenssteuer unterer Klassen durch die neue FX-1-Klassifizierung nichts besseres ein als ‚Untersuchungsausschuss für die aktuelle Problematik beim Berechnen der Einkommenssteuer unterer Klassen durch die neue FX-1-Klassifizierung‘, was ja auch der Wahrheit entsprach.
    Die erste Hitsingle konnte nun platziert werden, welche natürlich den einfallsreichen Titel ‚Untersuchungsabschlussbericht des Untersuchungsausschusses für die aktuelle Problematik beim Berechnen der Einkommenssteuer unterer Klassen durch die neue FX-1-Klassifizierung, Teil 1‘ trug und, da Bregander eher auf langeweilige Texte stehen, fast ein Jahr lang die Nummer eins der Charts belegte.
    Durch diesen Erfolg beflügelt, gingen sie gleich daran, einen Nachfolgehit aufzunehmen. ‚Untersuchungsabschlussbericht des Untersuchungsausschusses für die aktuelle Problematik beim Berechnen der Einkommenssteuer unterer Klassen durch die neue FX-1-Klassifizierung, Teil 2‘ lautete der einfallsreiche Name des Oeuvres und sicherte sich das folgende Jahr Hitparadendominanz.
    Diese Stücke haben sich sogar, als einzige musikalische Werke von Bregandern, auf anderen Planeten gut verkauft. Nicht, weil die Musik so gut war, sondern weil sie sich ideal dazu eigneten, Partygäste, die partout nicht gehen wollten, rauszuekeln. Es sind einige Fälle verbürgt, in denen sogar die Gastgeber gleich mit gegangen sind.
    Zudem wurde sie gerne von den Polizeibehörden aufgelegt, um unliebsame Demonstrationen und Zusammenrottungen schnell aufzulösen. Und genau darin lag die negative Erfahrung der Bregander mit musizierenden Politikern: Sie hatten jetzt galaxisweit ihren Ruf als muffige Nerds mit schlechtem Musikgeschmack weg.
    Nein, mit der wirklich negativen Erfahrung sind verschiedene ‚politische‘ Sänger gemeint, die, obwohl sie viel zu jung, dumm und unerfahren waren, mit ihren Texten die Politik mitgestalten wollten und dies leider auch taten. Sie nahmen sich komlexer Vorgänge an, dichteten zu diesen Themen einen Zweizeiler, der sich radebrechend reimte, und schon hatten sie die breiten Massen hinter sich, auch wenn die Folgen größtenteils katastrophal waren. Wenigstens konnte man den Zweizeiler schön mitsummen und sich gebildet fühlen.
    Und wenn ein großer Interpret schon solche Aussagen tätigt, wer weiß, vielleicht ist ja doch was dran!
    Der Schaden, den diese selbsternannten Weltverbesserer anrichteten, war beträchtlich größer als der des ‚Untersuchungsausschusses für die aktuelle Problematik beim Berechnen der Einkommenssteuer unterer Klassen durch die neue FX-1-Klassifizierung‘, der ja lediglich eine Zusammenfassung des Abschlussberichtes über die aktuelle Problematik beim Berechnen der Einkommenssteuer unterer Klassen durch die neue FX-1-Klassifizierung in zwei Hitsingles zum Ausdruck gebracht und nicht mal Halbwahrheiten verbreitet hatte.
    .....

  7. #7
    Mitglied Benutzerbild von KuK
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Moin, Zaphod!

    Ich liebe es - mehr davon! Viele von den "drögen" Lesern verstehen den elementaren Wortwitz hinter den Einträgen nicht. Sie lesen das Wort, begreifen aber den stets mehrdeutigen Wortsinn nicht.

    Eine Anspielung auf die wohl längste Groschen-Roman-Serie der Welt entgeht den Meisten sowieso. Perry ist eben der Held der Galaxien!

    Heil den Sternen,

    KuK
    "Gotteslob" # 380, Strophe 9 und aktueller denn je:
    Melodie: "Großer Gott, wir loben Dich!"

    Sieh dein Volk in Gnaden an.
    Hilf uns, segne, Herr, dein Erbe;
    leit es auf der rechten Bahn,
    dass der Feind es nicht verderbe.
    Führe es durch diese Zeit,
    nimm es auf in Ewigkeit.

  8. #8
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Der Präsident und sein Vogel sind auf Schlaraffia gelandet.
    Irgendwas stimmte nicht auf Schlaraffia IV, das war Lotvik schnell klargeworden. Der Planet war eigentlich bekannt für seinen Wohlstand und die Mildtätigkeit seiner Bewohner, doch davon war kaum etwas zu sehen. Schon die Landung gestaltete sich schwierig. Der Wellenreiter holperte doch arg und sogar Predo, der als Orneer mit einem sehr stabilen Magen ausgestattet war, musste fast reihern - Schade, Lotvik hatte sich schon ein Wortspiel zurechtgelegt. Der Raumhafen war ebenso in einem erbärmlichen Zustand, die Natur holte sich Schritt für Schritt das ihr einst mühsam abgerungenes Terrain wieder zurück. Ein Wunder, dass die Maschine bei der Landung nicht in zwei Teile zerbrochen war.
    - „Da brat mir doch einer einen Storch, wie sieht das denn hier aus? Faule Säcke, diese Schlaraffen! Ich dachte, die lieben ihre Arbeit über alles. Naja, Klischees, nicht wahr, Hansi?“
    - „Ich heiße nicht H-a-n-s-i, außerdem hat es auf Schlaraffia die letzten Jahrzehnte ein paar Veränderungen gegeben. Zu Ihrer eigenen Sicherheit: Hören Sie auf, von ‚Gott‘ zu reden. Wenn schon, erwähnen Sie Heinz-Peter, das ist die Gottheit der Akabaranier. Und niemals negativ, nie fluchen, das könnte – naja – interreligiöse Missverständnisse hervorrufen. Am besten überlassen Sie das Reden mir, ich habe große interkulturelle Kompetenz!“ prahlte Tschillpie und zupfte sich noch schnell ein paar herausstehende Federn mit seinem Schnabel aus dem Gefieder.
    „Ach, chill out, Tschillpie, mach doch was du willst mit deiner Kompetenz.“ dachte sich der Präsident und wackelte seinem Gouvernantenvogel wie ein Entenküken hinterher.

    Dem Empfangskomitee gegenüber gab sich Predo sehr unterwürfig. Er lobte die Schlaraffen in den höchsten Tönen und betonte seine Demut sowie deren kulturelle Überlegenheit. „Wenn das interkulturelle Kompetenz ist, kann ich drauf verzichten. Der schräge Vogel kann denen ja nicht mal gerade in die Augen schauen. Jesses, hoffentlich gibts hier wenigstens ein paar gute Willkommenspartys, aber getrennt, nach normalen Leuten und Paradiesvögeln, nein, Sekretärsvögeln!“ dachte sich Lotvik. Wie sehr er daneben lag, konnte er noch nicht wissen.
    Aus den Reihen des Empfangskomitees trat jetzt ein fülliger Schlaraffe hervor, der sich ihm als Oberperson Horvath vom Ministerium für Gleichstellung und Unterschiedlichkeit vorstellte. Herablassend gesprochen hätte man ihn eine fette Tunte nennen können, im normalen Sprachgebrauch war es ein kleiner, extrem dicker und androgyn wirkender Herr, gendergerecht musste man ihn -–nein, es – als weniger groß, vollschlank und genderneutral beschreiben.
    Die Haare auf seinem dunkelbraunen Kopf waren allesamt durch Schweißtropfen ersetzt worden, die er sich mit monotoner Regelmäßigkeit unter Zuhilfenahme eines rosafarbenen Taschentuches abwischte. Mit dicker Hornbrille und blassgrünem Anzug bekleidet stand er nun außer Puste vor ihnen. „Diese Oberperson passt gut zu Roth-Grün,“ würde Lotvik denken, wenn er Letztgenannte kennen würde, was aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht der Fall gewesen ist. Behalten wir diesen Gedanken aber im Hinterkopf.
    „Grüßgottle, Herr – äähh Person Oberperson. Wieso nennen Sie sich eigentlich ‚Oberperson‘? Ich denke, beim MGU sind alle gleich wie die Heringe?“ fragte der Präsident der Föderation, nachdem er die weiche, wabbelige Hand, die nicht minder schweißbefeuchtet als die zum selben Körper gehörige Stirn war, mit einem gewissen Ekel geschüttelt hatte. Er hatte den Eindruck, einen tratschnassen Küchenschwamm auszuwringen.
    -„Ja, das ist auch so, wir sind alle Gleiche unter Gleichen, doch wir sind so viele Gleiche, dass ein paar von uns zur besseren Koordinierung etwas höher positioniert sein müssen, um den Überblick zu bekommen, wo kämen wir denn sonst hin? Das hat aber gar nichts damit zu tun, dass wir Horvaths ein altes Adelsgeschlecht sind, denn ich habe, um meine Verbundenheit mit den einfachen Leuten und meine Abscheu vor Rangordnungen zu zeigen, den Adelstitel abgelegt. Man will ja mit Leistung und nicht mit Geburt punkten, nicht wahr?“ erwiderte der Angefragte und blickte Lotvik bewunderungsheischend an.
    Dieser jedoch ingorierte den Versuch mit einem Nasenrümpfen und fragte, da er sich immer streng an seine Prioritäten hielt, was denn so alles geplant sei, ob sie denn rechtzeitig zum Karneval gekommen seien und wie viele Häschen denn zur Begrüßungsparty erscheinen würden. Predo stupste ihn mit seinem Schnabel diskret in die Seite, zwitscherte: „Seien Sie doch bitte still, ich mach das schon!“ und lächelte, so gut es mit einem starren Schnabel halt ging, Oberperson Horvath an. „Ja, der Herr Ankradenk, ein fröhlicher Geselle ist er, denkt immer nur an einen engen Kontakt mit den Untertanen, haha.“
    -„Ist ja auch nicht schlecht, nicht wahr? Ein Präsident muss präsentieren, volksnah sein! Wir sprechen übrigens nicht von Volk und Untertanen, das klingt so nach Rangordnung. Wir bevorzugen Wörter wie ‚Bevölkerung‘ oder ‚Wesen‘. Na, dann wollen wir mal los, nicht wahr?“ sprach die Oberperson, wendete sich um und walzte langsam und keuchend in Richtung Konvoi.
    Lotvik und sein Vogel stiegen zuerst in die Stretch-Limo und waren froh, sich schnell angeschnallt zu haben, denn Oberperson Horvath brachte durch sein Einsteigen den Wagen in beträchtliche Schwankungen. Nicht genug damit, unterwegs wurden sie von ihm auch noch vollgeseihert.
    „Leider hat es heute Morgen einen Erdrutsch in Sektor 12 gegeben. Wir müssen da durchfahren, keine Chance, die Ausweichrouten sind völlig überlastet. Die Zufahrtstraße, die wir nehmen, ist zwar gut ausgebaut und nicht beschädigt, die Fahrt kann sich aber ein wenig verzögern, da die Aufräumarbeiten in unmittelbarer Nähe stattfinden.
    Wo waren wir vorhin? Ach ja, nun, meine Mutter kommt vom Aldebaran, mein Vater von Terra, dessen Großeltern stammen von verschiedenen Kontinenten und Völkern, die Großeltern meiner Mutter hingegen waren Adelige, aber durchmischt aus verschiedenen Rassen von Beteigeuze, die dann in Richtung Aldebaran ausgewandert sind. Und ich selber spreche acht Sprachen und habe die Staatsangehörigkeit von vier Planeten, wobei ich Unterteilungen in Staatsangehörigkeiten eigentlich strikt ablehne. Aber als mondäner Weltbürger muss man halt, ist praktischer so, nicht wahr?“
    Es folgte wieder ein bewunderungsheischender Blick.
    „Sie sehen, ich bin eine Mischung aus allem, was die Galaxis so hergibt, haha! Und daher ist mir auch die Herkunft und Spezies von Personen völlig egal, so wie uns das allen egal sein sollte, nicht wahr?“ schloss er mit seinem Blick, den er die ganze Zeit nicht abgelegt hatte, ab.
    -„Wenn Sie so wenig Wert auf die Herkunft legen, warum breiten Sie dann die Ihrige so explizit aus?“ wollte der Präsident nicht wissen. Er fragte das nur, weil er hoffte, die dicke Oberperson würde dann ob des kompromitierenden Paradoxons schweigen. Und so war es auch.
    Jetzt hatte Lotvik wenigstens mehr Zeit, sich auf die Fahrt und die Straßen zu konzentrieren. Diese waren, wie der Flughafen, in einem erbärmlichen Zustand. Der Präsident verschüttete ob der Schlaglöcher mehrere Male seinen kostspieligen Longdrink, den er sich in der opulent bestückten Bordbar gemixt hatte, direkt auf das Polster, was aber nicht weiter auffiel, da sich auch die Karosse von der Wartung her perfekt mit der Infrastruktur in Einklang befand. Die träge Masse Horvaths konnte aber wenigstens einige grobe Schwankungen ausgleichen.
    Jetzt kamen sie an der vom Erdrutsch gebeutelten Stelle vorbei. Sie lag genau mittig zwischen einem von Schlaraffen und einem von Salaffen bewohnten Stadtteil. Ein längerer Stau gab ihnen Gelegenheit, die Aufräumarbeiten zu verfolgen. Auf der Schlaraffenseite waren die Bagger bereits halb fertig, bei den Salaffen standen einige Schaulustige herum und warteten. Person Horvath ließ die Seitenscheibe herunter und fragte auf akabaranisch, ob es Probleme gäbe. Nach einem klärenden Gespräch gab er den Mitinsassen einen Lagebericht:
    „Also, nicht wahr, auf der linken Seite hat man fast alles weggeräumt und ein Team von Geologen ist gerade dabei, die Ursache für den Erdrutsch herauszufinden. Auf der rechten Seite, der Salaffenseite, kann es gleich losgehen, man wartet nur noch auf ein Theologenteam, das den genauen Hergang rekonstruieren soll. Dieses müsste...“
    -„Theologenteam? Sie meinen wohl Geologenteam! Und was ist mit den Arbeitern?“ wollte Lotvik wissen.
    -„Neinnein, Theologenteam. Es handelt sich um tiefreligiöse Menschen, die solche Herausforderungen auf ihre spezielle Art angehen. Nicht besser oder schlechter, aber anders halt, speziell, nicht wahr? Sie meinen sicherlich, ihr Gott sei zornig und man müsse nun erforschen, worüber er sich so aufgeregt hat. Daher wird ein Team von Theologen die genauen Umstände prüfen und in den Heiligen Schriften nach einer Lösung suchen.“
    -„Und wer räumt das Schlamassel weg?“
    -„Ach, wir haben ja noch Bagger vor Ort, das werden wir dann sozusagen als Amtshilfe erledigen, wenn die Salaffen uns lassen. Aber da sind sie glücklicherweise sehr tolerant und offen, diese Leute. Hoffen wir nur, dass die Religionsfachleute nicht Ihren Besuch für den Erdrutsch verantwortlich machen. Immerhin haben Sie ein paar mal den Glauben der Akabaranier ziemlich beleidigt.“ führte Horvath mit übertrieben vorwurfsvollem Dackelblick aus.

  9. #9
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    Als er am Empfang eintrudelte, standen Tschillpie und Oberperson Horvath schon wie aus dem Ei gepellt vor ihm. Der dicke Schwarze deutete mit tadelndem linken Zeigefinger auf sein rechtes Handgelenk, was Lotvik nur zu einem Schulterzucken veranlasste, welches er obendrein mit einem genervten Grinsen garnierte. „Wenigstens schauens manierlich aus!“ raunte der Vogel seinem Präsidenten leise zu.

    Der Hafen war etwa sieben Kilometer weiter südlich gelegen. Sie konnten direkt hinter der Ehrenloge aussteigen, die ganz dicht am Ufer aufgebaut worden war. Keine 20 Meter Fußweg, und sie waren auf ihren Plätzen Ein Funktionär gab den dreien je zwei wundervoll gefaltete und verzierte Papierschiffchen, in deren Mitte eine Pechleuchte geklebt war, und ein Feuerzeug in die Hand bzw. den Flügel. Dann war es soweit.
    Der Bürgermeister von Harburg hielt eine bewegende Rede, die mit einer Entschuldigung bei den Awarastertieren endete. Dann traten weitere betroffen und peinlich berührte Wesen an, die ins selbe Horn stießen. Der Letzte schließlich gab das Signal zum Stapellauf.
    Die Schlaraffen ließen darauf, wie jedes Jahr, zum Angedenken an die Vertreibung der einzigen endemischen, halbwegs intelligenten Art ihre mit Kerzen bestückten Papierbootchen zu Wasser. Auf diese Art und Weise konnten sie ihr Mitgefühl ausdrücken, konnten bei den Opfern sein, sie um Verzeihung bitten und das Angedenken auf’s Neue auffrischen. Und nicht zuletzt wies man auf den zerstörerischen Einfluss der Menschen und auf die Dringlichkeit von Umweltschutz hin.
    Alle anwesenden Schlaraffen waren sehr ergriffen. Oberperson Horvath standen ein paar Tränen in den Augen. Nun, es könnte sich aber auch nur ein paar Schweißtropfen gehandelt haben, die von der Stirn weitergetrieft sind, es glitzerte jedenfalls auffallend aufwallend und passte zu seinem überbetont beschämten, reumütigen und unterwürfigen Gesichtsausdruck.
    Eine Kapelle spielte einen ergreifenden Trauermarsch, als die erste Riege der schlaraffischen Politiker ihre kleinen Boote in den Fluss entließ. Danach waren sie an der Reihe, ihre Lichterboote mitsamt brennender Pechkerze zu Wasser zu lassen. Ein paar Minuten später bot sich den Betrachtern ein wunderschönes Spektakel.
    Die gesamte Wasseroberfläche war angefüllt mit kleinen Lichtern, die sanft in den Wellen schaukelnd langsam flussabwärts davon trieben. Ein ergreifendes Gefühl, das vor allen Dingen die Erleichterung des Gewissens gewesen ist und wegen dem man eigentlich den Zirkus jedes Jahr auf’s Neue veranstaltete, ergriff die Teilnehmer. Freilich kam keiner unter ihnen auf den Gedanken, die errichteten Städte zugunsten der Awarastertiere aufzugeben.
    Zwei Stunden später war auch das letzte Lichtchen hinter der Flussbiegung verschwunden, die zwischen zwei Bergen hindurchführte und in einen kleinen Waldsee, welcher außerhalb der Sicht lag, mündete. Mit den Bergen fing die Wildnis an, dort hörte der schlaraffische Einfluss, die Zivilisation, auf. Horvath ging bewegt, Tschillpie erleichtert und Lotvik entnervt wieder zum Parkplatz, wo der Fahrer die ganze Zeit über vorschriftsmäíg mit laufendem Motor gewartet hatte.

    Ein paar Kilometer weiter flussabwärts blickten die Seher der Awaraster wieder zum Abendhimmel und befanden mit Bestürzung, dass die Sterne wieder die Zeit des großen Sterbens ankündigten. Seit einigen Jahren kam es am Tag der Sommersonnenwende zu einer sich stets wiederholenden Katastrophe: Hunderttausende von kleinen, brennenden Booten zerstörten ihre armseligen Fischernetze, verpesteten mit ihrem auslaufenden Wachs und Pech nachhaltig den Flussabschnitt und störten durch das helle Licht die Balz der Beutefische, von denen nur noch sehr wenige übriggeblieben waren. Am nächsten Morgen dann weichten die kleinen Boote durch und sanken auf den Grund des Sees, um dort zu einer zähen Schicht zu verkleben, wodurch das Biotop nachhaltig geschädigt wurde.
    Es waren nicht mehr viele Awarastertiere übrig geblieben und durch die jährlichen Katastrophen wurden sie immer stärker dezimiert. Was hatten sie verbrochen, warum wurden sie von den Göttern so gestraft? Keiner wusste es. Nur eines wussten sie: Sie würden die nächste Zeit wieder von ihren kargen Vorräten leben müssen, so lange, bis sich der Fischbestand wieder ein wenig erholt haben würde. Hoffentlich. Und so versuchten sie wieder, auf die Beine zu kommen und flehten um Beistand ihrer Götter.
    Jedoch konnten ihnen diese himmlischen Wesen nicht mehr helfen. Diese wurden nämlich im Verlauf der Weltmeisterschaft der Götter bereits in den Vorkämpfen ausnahmslos eliminiert.
    .....

  10. #10
    Eine Schand für 'schland Benutzerbild von Sathington Willoughby
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Völlig lautlos zog das riesige Raumschiff durch die endlosen Weiten der Galaxis, seinem vorläufigen Ziel entgegen.
    Völlig lautlos?
    Ja natürlich! Wie denn sonst? Im Weltall gibt es keine Luft, kein Medium, das den Schall übertragen könnte, wie jeder weiß, daher ist der erste Satz eigentlich ziemlich dämlich und vollkommen überflüssig. Er bleibt aber dennoch hier stehen, da diese völlige Lautlosigkeit einen gigantischen Kontrast zur Größe des Schiffes darstellte, ein Kontrast, der jedem normalen Menschen erst einmal die Luft zum Atmen nahm, weil eben die Schiffgröße so enorm riesig-gigantisch gewesen ist. Das Teil hatte nämlich die Größe eines Kleinplaneten.
    Normalerweise ist man es gewöhnt, wenn man schon mal beim Start eines Raumschiffes dabei gewesen ist, dass die Kiste eine gewisse Geräuschkulisse produziert, die proportional zur Größe des Raumschiffes ist – ungefähr jedenfalls. Und das natürlich auch nur in der Atmosphäre. Bei anderen Vehikeln oder Maschinen verhält es sich ähnlich. Und dass jetzt so eine gigantische Ansammlung von Material und High-Tech sich vollkommen geräuschlos, wie ein Indianer, an etwas heranpirschen kann, lässt einen daher immer wieder erstaunen, auch wenn es eigentlich völlig logisch ist. Aber gut.
    Aufgrund seiner Größe war es auch wie ein Kleinplanet geformt, also vollkommen rund gebaut worden, was auch die internen Wege kurzhielt und die mögliche Angriffsfläche minimierte, was sehr sinnvoll war, denn dieses Schiff war nicht für eine friedliche Mission konzipiert worden, sondern für Eroberung, Zerstörung und Einschüchterung und so hielt man es für angemessen, mit der erbitterten Gegenwehr der Besuchten zu rechnen und hatte die Kiste möglichst kompakt gehalten.
    Auf der Brücke dieses Wunderwerkes menschlicher Erfindungsgabe und notorischer Machtgelüste stand wie gemeißelt ein Terraner, der Kommandant, und blickete, in geschichtsträchtiger Pose verharrend, sinnierend in das weite Schwarz hinaus. Der Name dieser Gestalt löste in der gesamten Galaxis Angst und Schrecken aus. Lord Feder lautete dieser, Paladin der Dunklen Seite, oberster Heerführer der finsteren Armeen, von denen ein erklecklicher Teil auf dem Kampfplaneten versammelt war.
    Dass er so geschichtsträchtig-gemeißelt und bewegunslos wie eine Eidechse dastehen konnte, lag an seiner Montur, die einer rabenschwarzen Ritterrüstung glich. Der Ärmste musste aufgrund einer Sonnenallergie sein Leben darin verbringen. Hier an Bord hätte er sie ruhig abnehmen können, da es kaum direktes Sonnenlicht gab, er zog es aber vor, die Montur auch weiterhin zu tragen, da sie mittlerweile sein Markenzeichen geworden war und ihn ohne seine Maske kaum jemand noch erkannt hätte. Einzig sein regenbogenfarbener Umhang, den ihm ein Stilberater aufgenötigt hatte, der ihm wiederum von seinem direkten Vorgesetzten aufgenötigt worden war, brachte ein wenig gute Laune in das sonst so düstere und getragene Bild.
    Ja, sie waren unterwegs, um zu einem Schlag gegen die Föderation auszuholen, und hatten bereits den Sprungpunkt erreicht, der sie zu ihrem Ziel bringen sollte. Hatte es doch die Föderation geschafft, die geheime Möbiuswelt zu entdecken, mit deren Hilfe man Zeitreisen unternehmen und überall auftauchen konnte, wo es einem beliebte! So eine Entdeckung konnte gefährlich sein, wenn sie in den Händen des Gegners war, daher hatte man beschlossen, den Schlüssel für den Zugang zu dieser Dimension, den Phasen-Molekularumwandler, zu vernichten.
    Und um keine Zweifel aufkommen zu lassen, dass man es auch Ernst meinte, sollte gleich der ganze Planet mit diesem Wunderwerk eliminiert werden. Als Symbol sozusagen, als Zeichen der Macht, Fanal für alle, die noch meinten, sich gegen die Dunkle Seie zu erheben!
    Der schwarze Lord beugte sich leicht nach vorne, betätigte einen Schalter, der ihn mit dem Maschinenraum verband, und gab mit tragender, schwerer Stimme seinen Befehl: „Bereitmachen zum Springen in zwei Minuten sowie Herstellung der vollen Gefechtsbereitschaft. Wir wollen kein Risiko eingehen!“
    -„Hier Maschinenraum, Zeugwart Petersen. Negativ. Es wurde doch letzte Woche in der Abgeordnetenkammer abgeklärt, dass wir noch einen Tag im Orbit um den Sprungpunkt bleiben dürfen, um die phantastischen Angebote im Duty-Free-Shop mitnehmen zu können. Stichwort Rabattwochen, dämmert’s jetzt? Wir werden also erst morgen Gefechtsbereitschaft herstellen und springen. Over!“
    Wie hatte er das nur vergessen können?
    Ja, die Zeiten waren hart. Früher hatte sein Wort gereicht, um hunderttausende von Untergebenen strammstehen und erzittern zu lassen, durch die Neuausrichtung der Dunklen Seite („Nicht nur die Planeten, sondern auch die Herzen erobern!“) aber kamen andere Spielregeln auf. So fiel der Kampfplanet, den er die Ehre hatte, zu befehligen, nicht unter die Bestimmungen von Raumschiffen und –fahrzeugen, sondern wurde als Planetoid klassifiziert. Mit weitreichenden Folgen für die Befehlshierarchie.
    Die militärische Ausrichtung mit einer Einzelperson an der Spitze war untragbar, diktatorisch und musste einer demokratischen Struktur weichen. Er hatte zwar immer noch das letzte Wort, aber durch den ‚demokratischen Unterbau‘, der wie eine parlamentarische Demokratie bei einem Planeten funktionierte, ergaben sich einige Änderungen.
    So hatten die einzelnen Abteilungen jeweils ein kleines Unterparlament und einen Bürgermeister (der ausgeschrieben den Titel „Bürgerinnen und Bürger-Meisterin und Meister“ trug; es wäre aber nicht praktikabel, diesen Titel hier jedesmal auszuschreiben) beziehungsweise Vorsitzenden, der diesem vorstand, damit sichergestellt wurde, dass jedes Mitglied der Eroberungsarmee auch ein demokratisch legitimiertes Mitspracherecht hatte.
    Diese Bürgemeister und andere Abgeordnete wiederum trafen sich jede Woche mit dem Lord in der ‚Ersten Abgeordnetenkammer des Kampfplaneten‘, um dort über die anstehenden Missionen, Befehle von Lord Feder und die Befindlichkeiten der Mannschaft zu diskutieren. Bei der letzten Sitzung wurde erwähnt, dass die Besatzung noch gerne die kolossal guten Sonderangebote des Duty-Free-Orbits diese Woche am Sprungpunkt mitnehmen würde und daher ein Tag Sonderaufenthalt eingeplant werden sollte.
    Da alle Bürgermeister und Abgeordnete zusammen 51% der Stimmen hatten und einstimmig für einen Sonderaufenthalt votierten, blieb dem Dunklen Lord nichts weiter übrig, als die Mission um einen Tag nach hinten zu verschieben und bei seiner Familie anzurufen, was er denn so alles mitbringen sollte. 50% Rabatt bekommt man nicht alle Tage!
    Und gestern kam noch eine Sondermeldung rein. „Person Lord Feder!“ wurde er beim Zusammenstellen der Einkaufsliste unterbrochen, „wie wir eben erfahren haben, wird nicht nur der Präsident der Föderation bei der feierlichen Einweihung zugegen sein, sondern auch einige Besatzungsmitglieder des Raumschiffs Genderpreis. Wollen wir wirklich den ganzen Planeten in die Luft jagen? Ich meine, das könnte doch für diplomatische Verwicklungen sor....“
    -„Soso,“ wurde die anonyme Stimme unterbrochen, „die Genderpreis. Käppn Vingar höchstpersönlich wird zugegen sein. Das nenne ich doch mal gute Neuigkeiten! Da geht einem die Arbeit doch gleich viel leichter von der Hand!
    Nein, keine Änderung. Im Gegenteil. Völlige Ausradierung des Zieles! Nichts soll an Gliese 832 III erinnern! Wir sind immer noch die Dunkle Seite, Ende. So, und in einer halben Stunde bereitmachen der ersten Gruppe für den Shoppingaufenthalt, Rückkehr spätestens um zwei Uhr Kampfplanetenzeit!“
    .......

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