Lange glaubten sich die konjunkturverwöhnten Türken sicher vor den Folgen der Euro-Krise. Doch nun erreicht die Flaute auch den Bosporus. Manche Experten erwarten einen schweren Absturz.
Mit einem Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent lag die Türkei im vergangenen Jahr mit China an der Weltspitze. Aber 2012 wird sich die Konjunktur merklich abkühlen. Während die Regierung einen sanften Abschwung erwartet, fürchten manche Analysten eine harte Landung.
Für die Türkei beschwört das umso größere Risiken herauf, da die Konjunktur in den vergangenen Quartalen zunehmende Anzeichen einer Überhitzung zeigte. Ein Alarmsignal ist nicht nur der Anstieg des Leistungsbilanzdefizits, das sich der Marke von zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nähert. Auch die Inflation lag im Dezember mit 10,4 Prozent fast doppelt so hoch, wie von der türkischen Zentralbank mit einer Zielmarke von 5,5 Prozent vorgegeben.
Noch zum Jahreswechsel gab sich Wirtschaftsminister Ali Babacan euphorisch: Vom 17. Platz in der Rangfolge der weltgrößten Wirtschaftsnationen werde sich die Türkei bis 2023 unter die ersten Zehn vorarbeiten. „Wir werden unsere Konkurrenten einen nach dem anderen übertreffen", verkündete Babacan.
Für die von Schuldensorgen und Stagnation gebeutelten Europäer hatte Babacan nur Mitleid übrig:
Wenn türkische Politiker am Steuer der EU säßen, „wären die Probleme in drei Monaten gelöst“.
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